
Der erste Gedanke beim Hören des Lieferkettengesetzes ist oft: riesiger bürokratischer Aufwand. Aber halt. Das Gesetz zielt darauf ab, dass große Unternehmen Verantwortung für ihre gesamte Lieferkette übernehmen – also dafür sorgen, dass irgendwo auf der Welt niemand unter schlechten Bedingungen arbeitet oder die Umwelt stark geschädigt wird. Die gute Nachricht vorweg: Du bist nicht sofort direkt betroffen, wenn dein Unternehmen noch nicht riesig ist. Die zentrale Frage ist: Ab wann muss ich mich kümmern? Diese neuen Pflichten erfordern eine sorgfältige Steuerung der Prozesse und Kosten, was ein wichtiges Element des Controllings im Mittelstand darstellt.
Die größenabhängigkeit des lieferkettengesetzes
Das LkSG gilt primär für Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland, die in der Regel mehr als 3.000 Beschäftigte haben. Aber Achtung: Das ist nur der Startpunkt. Wenn dein Unternehmen diese Schwelle (noch) nicht erreicht, ist es trotzdem wichtig, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Warum? Weil die großen Kunden, die das Gesetz erfüllen müssen, dich ins Boot holen werden. Wenn dein Kunde ein großes deutsches Handelsunternehmen ist, muss dieser Kunde prüfen, ob seine Lieferanten – und das könntest du sein – die Sorgfaltspflichten beachten. Das nennt man dann indirekte Betroffenheit oder die sogenannte Anforderung in der Lieferkette.
Stell dir vor, du lieferst spezielle Schrauben an einen großen Automobilzulieferer. Dieser Zulieferer muss dem Gesetz genügen. Er muss nachweisen können, dass auch deine Produktion faire Arbeitsbedingungen und Umweltstandards einhält. Wenn du keine Nachweise liefern kannst, riskiert dein großer Kunde Probleme. Das heißt: Auch wenn du unter der 3.000-Mitarbeiter-Grenze liegst, musst du dich vorbereiten, um deine Aufträge nicht zu verlieren. Das ist oft der entscheidende Punkt für den Mittelstand.
Okay, du bist also indirekt betroffen oder du bist kurz davor, die Mitarbeiterzahl zu überschreiten. Wie navigierst du jetzt durch diesen Dschungel? Du brauchst keinen neuen riesigen Compliance-Abteilung. Du brauchst einen klaren, strukturierten Plan. Der Kern des Gesetzes ist die Risikoanalyse in deiner Lieferkette.
VIDEO: Was bringt das deutsche Lieferkettengesetz?
Die risikoanalyse verstehen
Die Risikoanalyse ist das Herzstück. Du musst herausfinden, wo in deiner Kette Menschenrechte verletzt werden oder Umweltstandards nicht eingehalten werden. Das klingt kompliziert, ist es aber nicht zwingend, wenn du fokussiert vorgehst. Die Herausforderungen der Lieferkette zu verstehen, ist Teil einer umfassenden Mission Mittelstand, um langfristig erfolgreich zu sein. Es gibt zwei Bereiche, die du dir anschauen musst:
• Deine eigenen Geschäftsbereiche: Hier hast du direkte Kontrolle. Hast du eigene Produktionsstätten im Ausland? Arbeitest du mit Zeitarbeitsfirmen? Hier musst du sofort prüfen.
• Deine direkten Zulieferer (Stufe 1): Das sind die Unternehmen, von denen du direkt Waren beziehst. Hier musst du Informationen einholen.
Für den Mittelstand ist es oft am realistischsten, sich zunächst auf die direkten Zulieferer zu konzentrieren. Woher kommen deine Rohmaterialien? Wenn du zum Beispiel Kunststoffteile importierst, woher kommt das Granulat? Je höher das Risiko der Herkunftsregion (zum Beispiel Länder mit bekannten Problemen bei Arbeitsrechten), desto genauer musst du hinschauen.
Praktische tipps zur risikobewertung
Du musst nicht jedes einzelne Material bis zum Urschlund zurückverfolgen, zumindest nicht sofort. Starte smart. Überlege, welche Lieferungen oder Prozesse das höchste potenzielle Gefährdungspotenzial mit sich bringen. Hier sind ein paar Leitfragen, die du dir stellen kannst:
• Welche Lieferanten sitzen in Ländern mit schlechter Presse in Bezug auf Arbeitssicherheit oder Kinderarbeit?
• Beziehe ich Rohstoffe, bei denen bekannt ist, dass ihre Gewinnung umweltschädlich ist? (Denk an bestimmte Metalle oder seltene Erden.)
• Habe ich Zulieferer, bei denen die Bezahlung extrem niedrig erscheint im Vergleich zum lokalen Durchschnitt?
Dokumentiere deine Entscheidungen. Selbst wenn du sagst: „Lieferant X ist unkritisch, weil er aus Deutschland kommt und zertifiziert ist“, ist diese Dokumentation wichtig. Das zeigt der Prüfbehörde, dass du dir Gedanken gemacht hast – das ist der erste Nachweis der Sorgfaltspflicht.
Der größte Stolperstein für viele im Mittelstand ist die Kommunikation mit den Lieferanten. Du willst nicht als der „böse Prüfer“ dastehen, der jetzt alle zwingt, neue Zertifikate vorzulegen. Du musst Partnerschaft zeigen, wenn du deine Pflichten im Rahmen des lieferkettengesetzes erfüllen willst.
Der dialog statt der diktatur
Sprich mit deinen Zulieferern offen über das Gesetz. Erkläre ihnen, dass deine großen Kunden diese Informationen von dir verlangen und dass ihr das gemeinsam lösen müsst, um die Geschäftsbeziehung zu sichern. Viele kleinere Unternehmen sind dankbar für diese Klarheit, weil sie selbst nicht wissen, wie sie das Thema angehen sollen.
Beginne mit einer einfachen Selbstauskunft. Das ist oft der erste Schritt, den größere Firmen von dir erwarten. Du kannst zum Beispiel eine Checkliste erstellen, die auf den grundlegenden Verbote des LkSG basiert (keine Kinderarbeit, keine Zwangsarbeit, Einhaltung von Mindestlöhnen). Frage deine Lieferanten, ob sie diese Punkte garantieren können und ob sie selbst ähnliche Prozesse bei ihren Unterlieferanten haben.
Interessante Websites
Gewinne vertiefte Einblicke in Lieferkettengesetz für den Mittelstand: Pflichten & mit dieser Linkliste.
• Das Lieferkettengesetz im Mittelstand – Bird & Bird
Maßnahmen bei risiken
Was machst du, wenn du ein echtes Risiko bei einem Zulieferer identifizierst? Das Gesetz verlangt nicht, dass du sofort die Geschäftsbeziehung beendest. Es verlangt, dass du Abhilfe schaffst.
• Verhaltenskodex etablieren: Teile deinen Lieferanten einen klaren Verhaltenskodex mit, der deine Erwartungen an Umwelt- und Sozialstandards klar beschreibt.
• Verbesserungspläne aufstellen: Wenn ein Verstoß festgestellt wird, vereinbare mit dem Lieferanten einen konkreten Plan, wie das Problem in einer bestimmten Frist behoben wird. Unterstütze ihn dabei, wenn möglich, zum Beispiel durch Schulungen oder den Austausch von Kontakten zu Hilfsorganisationen.
• Korrekturmaßnahmen: Kommt der Lieferant dem Plan nicht nach, musst du härtere Maßnahmen ergreifen. Das reicht von Sanktionen bis zur Kündigung des Vertrags. Aber diese Eskalationsstufe erreichst du erst, nachdem du aktiv versucht hast, das Problem gemeinsam zu lösen.
Du brauchst keine teure Beratungsfirma für den Anfang. Mit etwas Organisationstalent kommst du schon weit, um die Anforderungen der lieferkettenmanagement pflichten zu erfüllen.
Schritt 1: zuständigkeiten benennen
Bestimme eine Person in deinem Betrieb, die das Thema verantwortet. Das muss keine Vollzeitstelle sein. Oft ist es der Inhaber selbst, der kaufmännische Leiter oder der Einkaufschef. Diese Person wird zum zentralen Ansprechpartner für das Thema und sorgt dafür, dass die Dokumentation aktuell bleibt.
Schritt 2: inventur der lieferanten
Erstelle eine Liste aller deiner direkten Lieferanten. Teile diese Liste nach Risiko ein: grün (niedriges Risiko, z. B. lokale Handwerksbetriebe oder etablierte europäische Partner), gelb (mittleres Risiko, z. B. unbekannte Firmen aus Osteuropa) und rot (hohes Risiko, z. B. Importe aus Risikoregionen). Konzentriere dich auf gelb und rot.
Schritt 3: dokumentation aufbauen
Das A und O beim Lieferkettengesetz ist der Nachweis, dass du deine Hausaufgaben machst. Lege einen einfachen Ordner an (digital oder physisch), in dem du alles speicherst:
• Deinen Verhaltenskodex für Lieferanten.
• Die eingegangenen Selbstauskünfte deiner Lieferanten.
• Deine Risikoanalyse (wer, was, warum als Risiko eingestuft wurde).
• Protokolle über Gespräche mit Lieferanten, wenn Probleme angesprochen wurden.
Denke immer daran: Du musst nicht perfekt sein, aber du musst nachweisbar handeln. Die Behörden wollen sehen, dass du Prozesse etabliert hast, um die Einhaltung der menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht zu überwachen.
Auch wenn das Gesetz im ersten Moment nach Belastung klingt: Es kann auch Chancen bieten. Wer seine Lieferketten besser kennt, ist widerstandsfähiger. Die Coronapandemie und geopolitische Spannungen haben gezeigt, wie schnell Lieferketten zusammenbrechen können. Durch die detaillierte Auseinandersetzung mit dem Thema lieferkettengesetz und mittelstand erhöhst du deine Transparenz.
Wenn du weißt, wer deine kritischen Zulieferer sind, kannst du frühzeitig Alternativen aufbauen oder langfristige Verträge mit fairen Partnern schließen. Das schafft Planungssicherheit und macht dich attraktiver für große Geschäftspartner, die Wert auf Nachhaltigkeit und Verlässlichkeit legen. Es geht nicht nur um Compliance; es geht darum, dein Geschäft zukunftssicher zu gestalten.
betrifft mich das lieferkettengesetz überhaupt?
Wenn dein Unternehmen aktuell weniger als 3.000 Mitarbeiter hat, bist du nicht direkt an das Gesetz gebunden. Du wirst aber trotzdem betroffen, weil deine großen Kunden die Einhaltung der Sorgfaltspflicht auch bei dir prüfen müssen, um selbst nicht sanktioniert zu werden. Es lohnt sich also, vorbereitet zu sein.
was passiert, wenn ich die pflichten nicht erfülle?
Wenn du unter das Gesetz fällst (also die Mitarbeiterzahl erreichst) und deine Pflichten grob verletzt, drohen empfindliche Bußgelder durch die zuständige Aufsichtsbehörde. Wichtiger ist aber oft die negative Publicity und der mögliche Verlust von Großaufträgen, da Kunden die Zusammenarbeit beenden können, wenn du keine Nachweise liefern kannst.
wie lange habe ich zeit für die umsetzung?
Die Pflichten zur Risikoanalyse und Dokumentation gelten sofort, sobald dein Unternehmen die Schwellenwerte erreicht. Für den Mittelstand, der indirekt betroffen ist, bedeutet dies: Handel jetzt, um die Anforderungen deiner Kunden zu erfüllen, bevor diese dich unter Druck setzen. Starte mit der Dokumentation deiner direkten Lieferkette so bald wie möglich.